«Hausbiographien – Vom Wohnen im Bestand»  (Marie Glaser ETH Wohnforum–ETH CASE)

Ohne TitelVERANSTALTUNG:

Di, 01.12.15 Vortrag: Marie Glaser „Hausbiographien“

Felix-Platter Spital
Burgfelderstrasse 101 Basel
Hauptgebäude 1, Grosser Saal
Der Zugang ist barrierefrei.

Vortragsbeginn 19:00
Diskussion ca. 20:00
Apéro ca. 20:30

Obwohl inzwischen weit über die Hälfte der Mittel im Bausektor in Renovierungsmassnahmen investiert werden, gelten Themen wie Erhaltung, Renovation und Erneuerung von Alltagsarchitektur im Verhältnis zu Neubau und Denkmal bei den meisten Architekten als langweilig, kostenintensiv und zeitraubend. Grundlagenwissen über die Langlebigkeit von materiell konstruktiven Komponenten im Bau ist bereits vorhanden. Zum gesellschaftlichen und individuellen Umgang mit dem gebauten Bestand gibt es noch immer wenige Studien. Hier setzen die Hausbiografien an.

«Was bedingt, dass Wohnungsbauten sich über lange Zeit bewähren? Welche sind alltagstauglich?» 

Es ist wenig darüber bekannt, wie Bewohnerinnen und Bewohner ein Haus im Verlaufe seines Lebenszyklus nutzen und beurteilen und wie die Eigentümer mit lange bestehenden Liegenschaften umgehen. Dies, obwohl bekannt ist, dass der Umgang mit den Gebäuden zu deren Langlebigkeit entscheidend beiträgt.

Um Kenntnis davon zu haben, ob Wohnbauten nachhaltig funktionieren, muss man sich vor Ort einen Eindruck verschaffen. Man muss mit den Bewohnerinnen und Bewohnern das Gespräch suchen. Sie wissen am besten Bescheid darüber, ob ein Haus langfristig wohntauglich ist – oder nicht. Ebenso verfügen die Verwaltung und die Hauseigentümerschaft über wichtige Kenntnisse betreffend des Potentials zur Dauerhaftigkeit eines Wohnhauses, denn sie sind die Experten, wenn es um die Unterhaltung und Pflege geht. Sie alle gestalten die Geschichte bzw. Karriere der langlebigen Wohnbauten mit. Ihr Wissen und Handeln ist über die Zeit hinweg in das Haus eingefaltet.

CV: Marie Glaser hat in München, Wien und Washington D.C. Literaturwissenschaft, Ethnologie und Europäische Ethnologie studiert. Nach der Promotion an der Universität Wien am Institut für Interdisziplinäre Forschung und Fortbildung IFF war sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin und Dozentin am Aufbau eines Studienprogramms für interdisziplinäre Projektarbeit und Kommunikation am IFF beteiligt. Seit 2004 arbeitete sie als Lehrbeauftragte und wissenschaftliche Projektleiterin am ETH Wohnforum – ETH CASE (Centre for Research on Architecture, Society & the Built Environment). 2014 übernahm sie dessen Co-Leitung, am 1. Dezember 2015 die Gesamtleitung. Sie unterrichtet als wissenschaftliche Leiterin gemeinsam mit Dietmar Eberle den postgradualen Kurs Master of Advanced Studies MAS ETH in Housing am Departement Architektur. Marie Glaser ist Autorin verschiedener Fachbücher, darunter „Vom guten Wohnen – vier Zürcher Hausbiografien von 1915 bis zur Gegenwart“, erschienen 2014 im Niggli Verlag.

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«wohnen ist tat–sache» – Vortrag von Bernd Kniess

TERMIN:
24.11.15 Bernd Kniess (HafenCity Universität Hamburg)
19h00, Felix-Platter Spital, Grosser Saal

wohnen ist tat–sache
„Zu wohnen“, was bedeutet dies? Wie viel „Eigenes“ braucht ein/e Wohnende/r; ob allein, mit Partner, in Familie, Wohngemeinschaft, generationsübergreifend, fremd oder alternativ? Wie lässt sich Zusammenleben organisieren? Welche ursprünglich dem Wohnen zugeschriebenen Tätigkeiten üben wir längst an anderen Orten aus, und welche Aktivitäten lagern wir umgekehrt wieder ins Wohnen ein? Mit wem teilen wir diese ein- und ausgelagerten Wohnfunktionen? Welche neuen Räume ergeben sich aus dem veränderten Gebrauch?

Diversifizierung und Unbeständigkeit in der Lebenswelt der Menschen verwischen zunehmend das Bild einer „Normalität“ von Wohnbedürfnissen. Wir fragen uns, ob diese „Normalität“ vielleicht schon immer nur eine politische Fiktion war. Bei genauerer Betrachtung hält die Lebenswirklichkeit dieser Vorstellung des Normalbewohners in keinem Fall stand. Vielmehr haben wir es heute mit einem beweglichen und wenig vorhersehbaren Gefüge zu tun, aus dem sich eine Zunahme der Vielfalt von Wohnbedürfnissen, Mobilitäts- und Lebenskonzepten erkennen lässt: Pendler, Migranten, Touristen, Expats, Singles, Patchwork-Familien, (arbeitende) Senioren, Berufs-, Studenten- und AltenWGs – zukünftige Gesellschaften werden vielfältiger sein und älter.

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Was bedeutet dies für das Bauen?
Die „europäischen“ Städte, in denen sich solches abspielt, sind im Wesentlichen gebaut. Allein aus Gründen von Ökonomie und Nachhaltigkeit wird der Umgang mit ihren baulichen, sozialen und kulturellen Beständen zukünftig eine hervorgehobene Bedeutung in der Stadtentwicklung einnehmen. Wenn dort bislang hauptsächlich von der Gestaltung des „Neuen“ die Rede war, wird es zukünftig – so unsere These – mehr um ein Re-Design, des Bestehenden gehen. Dafür bedarf es einer Gestaltungspraxis, bei der es darum geht, die aus dem Gebrauch entstehenden Ressourcen und Möglichkeiten zu erkennen, aufzuzeigen, zu erweitern und in Bewegung zu setzen. Ein forschend-gestalterisches Programm, das anerkennt, dass nicht nur Raumplaner*innen und Architekt*innen an den Prozessen der Stadtproduktion beteiligt sind, sondern eine Vielzahl von Expert*innen des Alltags, denen mehr Vertrauen entgegen zu bringen sein wird.

CV: Bernd Kniess ist Professor für Städtebau/Urban Design an der HCU Hamburg. Seit 2008 leitet er dort den Masterstudiengang Urban Design. Sein Interesse gilt einer „Diagrammatik“ der zeitgenössischen Stadt, deren Untersuchung er sich in disziplinübergreifenden Arbeitskonstellationen widmet. Sein Schwerpunkt ist die Beschreibung eines relationalen Planungsverständnisses und seine Überführung in eine kritische Praxis als Verfahren. Zusammen mit Michael Koch und Christopher Dell initiierte er 2008 das Lehr- und Forschungsprojekt „Universität der Nachbarschaften“ (UdN), das er als Sprecher der Gruppe vertritt. Seit 2009 ist er Mitglied der Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften und der Künste.

Weitere Informationen zum Referenten:
http://ud.hcu-hamburg.de

Di, 24.11.15 Bernd Kniess „wohnen ist tat–sache“
Vortragsbeginn jeweils 19:00
Diskussion ca. 20:00
Apéro ca. 20:30

VERANSTALTUNGSORT:

Felix-Platter Spital
Burgfelderstrasse 101 Basel
Hauptgebäude 1, Grosser Saal
Der Zugang ist barrierefrei.

Image: Lacaton & Vassal

TRANSFORMATION – Vortrag von Jean-Philippe Vassal

TERMIN:
17.11.15 Jean-Philippe Vassal (Vortrag in Englisch)
19h00

GRP-150727-Sélection Book Biennial9

We are convinced that all urban situations, all built housing surfaces, offices, warehouses, which are stigmatized, which are denounced as absolute mediocrity and that are neglected, abandoned, or at the end demolished, are specific situations, potentially able to become outstanding and wonderful territories, separate from each other, and economically very profitable.

We are convinced that the fine and precise analysis of these multiple cases, the study of their constitutions, their capabilities, their assignments and their transformations rather than their destruction, are the prerequisites for what is called: the „Sustainable Development“.

By claiming the transformation as a project attitude we fit between the rehabilitation and re-construction, in a third stage, in the same time autonomous and intermediate. The economy is the heart of it.

We want to work with the existing, with precision, by transformation, addition or superposition, with lightness and kindness, on the question of inhabiting, from the interior, with the climate and not against it.

CV:
Jean-Philippe Vassal is Principal of Lacaton & Vassal Architectes, based in Paris. 
Together with Anne Lacaton he formed architectural practice Lacaton & Vassal in Bordeaux in 1987. Lacaton & Vassal are known for their delicate interventions, repurposing neglected structures with apparent effortlessness. Among other recognitions they received the Grand Prix National d’Architecture in France in 2008.
Jean-Philippe Vassal is Professor of Design and Urban Regeneration at UDK Berlin since 2012. Previously he has been visiting professor at the Architecture School of Versailles (2002-06), Architecture School of Bordeaux (1992-99), Peter Behrens School of Architecture at the Düsseldorf University of Applied Sciences (2005), Technische Universität Berlin (TU Berlin) (2007-10), Swiss Federal Institute of Technology (EPF Lausanne) (2010-11).